Forschungszulage wirkt: Was der neue Evaluierungsbericht der Bundesregierung zeigt
Fünf Jahre nach Einführung der Forschungszulage liegt erstmals eine umfassende wissenschaftliche Bewertung ihrer Wirkung vor. Der von der Bundesregierung vorgelegte Evaluierungsbericht untersucht das Forschungszulagengesetz für den Zeitraum 2021 bis 2025. Die Evaluation wurde von einem Konsortium aus KMU Forschung Austria, WIFO und ifo Institut durchgeführt.
Hier geht es zum kompletten Bericht: Evaluierungsbericht zur Forschungszulage vorgelegt – Deutscher Bundestag
Das Ergebnis ist für die deutsche Forschungsförderung von erheblicher Bedeutung: Die Forschungszulage löst nachweislich zusätzliche private Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus. Gleichzeitig liefert die Evaluation wichtige Hinweise darauf, wo das Instrument besonders gut funktioniert und an welchen Stellen weiterer Entwicklungsbedarf besteht.
Die Forschungszulage führt nachweislich zu mehr Forschung und Entwicklung
Eine der zentralen Fragen der Evaluation lautet, ob Unternehmen durch die Forschungszulage tatsächlich mehr in Forschung und Entwicklung investieren oder ob lediglich ohnehin geplante Aktivitäten staatlich gefördert werden.
Die Ergebnisse fallen deutlich aus. Unternehmen mit positiv beschiedenem Antrag erhöhten ihre FuE-Ausgaben im Durchschnitt um 13,7 Prozent gegenüber vergleichbaren FuE-treibenden Unternehmen ohne Antrag. Auch beim Personal ist ein Effekt messbar: Die Zahl der FuE-Beschäftigten stieg bei den geförderten Unternehmen um durchschnittlich 11,4 Prozent.
Besonders interessant ist dabei der Blick auf die Eigenmittel. Geförderte Unternehmen steigerten ihre eigenen finanziellen Mittel für Forschung und Entwicklung um rund 20 Prozent. Die Forschungszulage ersetzt private Investitionen demnach nicht einfach, sondern geht im Durchschnitt mit einer Ausweitung der unternehmenseigenen FuE-Finanzierung einher. Zwar stellt die Evaluation auch Mitnahmeeffekte fest, insbesondere bei größeren Unternehmen. Insgesamt überwiegen nach Einschätzung der Evaluatoren jedoch die zusätzlichen FuE-Aktivitäten, vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen.
Auch die von der Bundesregierung hervorgehobene Hebelwirkung unterstreicht diesen Befund. Je nach Datengrundlage und Berechnungsmethode ermittelt die Evaluation eine Brutto-Hebelwirkung von etwa 1,0 bis 1,2. Vereinfacht bedeutet das: Ein Euro Förderung geht mit mindestens einem Euro interner FuE-Ausgaben einher.
Damit liefert der Bericht erstmals eine belastbare empirische Grundlage für etwas, das bislang häufig vor allem aus der internationalen Forschung abgeleitet wurde: Die steuerliche Forschungsförderung setzt in Deutschland einen messbaren Investitionsanreiz.
Mehr als 16.000 Unternehmen haben bereits erfolgreiche FuE-Vorhaben bescheinigen lassen
Auch die Reichweite des Instruments hat sich deutlich entwickelt. Bis Ende August 2025 hatten mehr als 16.000 Unternehmen Projekte erfolgreich als Forschung und Entwicklung im Sinne der maßgeblichen Kriterien bescheinigen lassen. Das entspricht laut Evaluierungsbericht mehr als der Hälfte der regelmäßig FuE-aktiven Unternehmen in Deutschland. Nachdem die Nutzung zunächst langsamer anlief, zeigt sich insbesondere seit 2023 eine deutliche Dynamik.
Dabei erreicht die Forschungszulage die ursprünglich besonders adressierte Zielgruppe in hohem Maße.
- Rund 86 Prozent der Antragsteller sind KMU, etwa 63 Prozent Kleinst- und Kleinunternehmen.
- Rund 18 Prozent der Antragsteller sind Start-ups, die zum Zeitpunkt der Antragstellung höchstens fünf Jahre bestanden.
- Besonders stark vertreten sind forschungsintensive Bereiche wie das verarbeitende Gewerbe, die IT und technische Dienstleistungen.
Auch an anderer Stelle zeigt die Evaluation, dass Unternehmensgröße und bisherige FuE-Intensität für die Wirkung entscheidend sind.
- Kleine Unternehmen und Unternehmen mit geringerer FuE-Intensität weisen relativ stärkere Zuwächse auf als Großunternehmen.
- Im Dienstleistungssektor zeigen sich teilweise sogar höhere prozentuale Steigerungen der FuE-Aufwendungen als im volumenmäßig dominierenden verarbeitenden Gewerbe.
Das ist ein wichtiger Befund für die weitere Ausgestaltung der Forschungszulage: Entscheidend ist nicht allein, wie viel Fördervolumen ein Unternehmen erhält, sondern welche zusätzlichen Forschungsaktivitäten dadurch tatsächlich entstehen.
Forschungszulage und Projektförderung erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Der Evaluierungsbericht bestätigt die besondere Rolle der Forschungszulage innerhalb der deutschen Förderlandschaft. Sie wurde bewusst als breitenwirksames, technologieoffenes Instrument konzipiert und soll die klassische Projektförderung ergänzen. Anders als bei vielen direkten Förderprogrammen besteht bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen ein Rechtsanspruch auf die Förderung. Dadurch soll insbesondere für KMU Planungs- und Investitionssicherheit entstehen.
Die Evaluation stellt bislang keine signifikante Verdrängung der direkten Projektförderung fest. Allerdings nutzen nur rund 19 Prozent der Antragsteller beide Förderinstrumente parallel. Gleichzeitig zeigen die Analysen, dass Unternehmen nach Beantragung bei der BSFZ zunehmend seltener direkte Projektfördermittel nutzen. In den qualitativen Interviews heben Unternehmen dabei insbesondere hervor, dass FuE-Projekte bei der Forschungszulage ohne die mit Antrags- und Gutachterverfahren verbundenen Wartezeiten begonnen werden können.
Die Empfehlung ist deshalb keine Entscheidung für das eine oder gegen das andere Instrument. Die Forschungszulage soll als themenoffene Breitenförderung bestehen bleiben. Direkte Projektförderung kann ergänzend insbesondere dort eingesetzt werden, wo risikoreichere Innovationen oder strategisch relevante Technologiefelder gezielt unterstützt werden sollen.
Für Unternehmen wird damit eine strategische Betrachtung ihrer FuE-Finanzierung immer wichtiger. Forschungszulage und klassische Förderprogramme sind nicht zwangsläufig Alternativen. Vielmehr können sie unterschiedliche Funktionen innerhalb einer langfristigen Innovations- und Förderstrategie übernehmen.
Hohe Verwaltungseffizienz, aber weiterhin Potenzial im Antragsprozess
Auch bei der administrativen Effizienz fällt die Bewertung positiv aus. Die Verwaltungskosten der Forschungszulage liegen laut Bericht derzeit bei rund 3,4 Prozent des Fördervolumens. Die Evaluation erwartet durch Skaleneffekte eine weiter sinkende Tendenz und ordnet das Instrument damit auf dem Niveau administrativ sehr effizient organisierter direkter Förderprogramme ein.
Gleichzeitig sieht der Bericht Verbesserungspotenzial beim Zugang zur Förderung. Unternehmen nehmen das Verfahren nach einer anfänglichen Lernphase zwar als deutlich weniger bürokratisch wahr als Anträge in der direkten Forschungsförderung. Dennoch bestehen insbesondere für kleinere Unternehmen Hürden. Externe Förderberater werden laut Evaluation bei rund zwei Dritteln der Anträge eingesetzt. In den Interviews berichten spezialisierte Förderberater zudem davon, dass sich bei kleineren Fördervolumina durch die zusätzlichen Beratungskosten eine wirtschaftliche Eintrittshürde ergeben kann.
Laut Evaluierungsbericht wird deshalb empfohlen, den Antragsprozess weiter zu vereinfachen. Genannt werden unter anderem KI-gestützte Vorprüfungen, standardisierte Textbausteine, die Vermeidung mehrfacher Dateneingaben nach dem „Once-Only“-Prinzip, sprich die Vermeidung mehrfacher Dateneingabe, und niedrigschwellige Unterstützungsangebote, wie beispielsweise eine Hotline, um es Unternehmen einfacher zu machen, Anträge selbst zu erstellen und einzureichen.
Aus unserer Sicht sollte Vereinfachung dabei nicht mit einer geringeren Qualität der Antragstellung oder Dokumentation verwechselt werden. Gerade mit zunehmender Verbreitung der Forschungszulage gewinnen belastbare Projektbeschreibungen, eine nachvollziehbare Abgrenzung förderfähiger Tätigkeiten und eine konsistente Dokumentation an Bedeutung. Der Evaluierungsbericht selbst verweist auf die umfangreichen Nachweispflichten und darauf, dass eine tatsächliche Tiefenprüfung bestimmter Angaben im Rahmen der üblichen Betriebsprüfungen erfolgen kann.
Was die Evaluation für die Zukunft der Forschungszulage bedeutet
Die vielleicht wichtigste Aussage des Berichts betrifft die Zukunft des Instruments. Die Evaluation empfiehlt ausdrücklich eine strategische Fortführung der Forschungszulage als dauerhaftes Element der deutschen Innovationspolitik. Begründet wird dies mit der Planungssicherheit und den nachgewiesenen positiven Anreizeffekten.
Gleichzeitig plädieren die Verfasser für eine differenzierte Weiterentwicklung. Besonders die Liquiditätswirkung für KMU und Start-ups soll stärker berücksichtigt werden. Weitere Ausweitungen der Bemessungsgrundlage sollten dagegen sorgfältig geprüft werden. Hintergrund ist, dass KMU besonders stark auf die finanziellen Anreize reagieren, während die zusätzlichen Effekte bei großen, bereits sehr forschungsintensiven Unternehmen geringer ausfallen können.
Auch die Bundesregierung greift diese Punkte in ihrer Stellungnahme auf. Sie bewertet die Forschungszulage als wirksames Instrument, das private Mehrinvestitionen auslöst und damit einen Beitrag zur Stärkung von Innovation und Entwicklung leistet. Die Empfehlungen zur stärkeren Ausrichtung auf KMU und zur Optimierung des Antragsprozesses sollten laut Evaluationsbericht bei der Weiterentwicklung berücksichtigt werden. Diesen Ansatz haben wir von Busuttil & Company ebenfalls bereits angebracht und würden eine dahingehend positive Entwicklung sehr begrüßen. Mehr Informationen zu den von uns vorgeschlagenen Punkten lesen Sie in diesem Beitrag: Einheitliche Innovationsförderung: Politische Weiterentwicklung
Ein starkes Signal für die steuerliche Forschungsförderung in Deutschland
Der Evaluierungsbericht ist mehr als eine Bestandsaufnahme nach den ersten fünf Jahren. Er liefert erstmals umfangreiche empirische Evidenz dafür, dass die Forschungszulage ihren zentralen Zweck erfüllt: Unternehmen investieren infolge der Förderung zusätzlich in Forschung und Entwicklung und bauen FuE-Personal auf.
Gleichzeitig zeigt die Evaluation, dass die Wirkung nicht bei allen Unternehmen identisch ist. Besonders KMU und Unternehmen mit bislang geringerer FuE-Intensität reagieren stark auf den finanziellen Anreiz. Für die zukünftige Förderpolitik wird es deshalb darauf ankommen, die Breitenwirkung und Planungssicherheit des Instruments zu erhalten, administrative Hürden weiter zu reduzieren und gleichzeitig eine qualitativ belastbare Beantragung und Dokumentation sicherzustellen.
Bemerkenswert ist schließlich auch die Entwicklung der deutschen Forschungslandschaft insgesamt. Laut Mannheimer Innovationspanel stieg die Zahl der kontinuierlich forschenden Unternehmen seit Einführung der Forschungszulage auf 45.200 im Jahr 2024. Gegenüber 2019 entspricht das einem Plus von rund 8.800 Unternehmen beziehungsweise 24 Prozent. Die Evaluation hält einen Zusammenhang mit der Forschungszulage aufgrund ihrer Ergebnisse für wahrscheinlich, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass ein empirischer Beweis hierfür erst durch zukünftige Analysen erbracht werden kann.
Genau diese Differenzierung ist wichtig: Nicht jede positive Entwicklung im deutschen Innovationssystem lässt sich der Forschungszulage zurechnen. Für ihre unmittelbare Wirkung liegt nun jedoch belastbare Evidenz vor. Nach fünf Jahren ist die Forschungszulage damit nicht mehr nur ein ergänzendes Instrument im deutschen Fördersystem. Sie hat sich als fester Bestandteil der Forschungsfinanzierung etabliert und die Auswertung liefert gute Gründe dafür, ihre Entwicklung weiterhin voranzutreiben.
Was bedeutet das nun für Unternehmen?
Der Evaluierungsbericht liefert erstmals umfassende empirische Belege dafür, dass die Forschungszulage zusätzliche Investitionen in Forschung und Entwicklung anstoßen kann. Gleichzeitig zeigt die zunehmende Inanspruchnahme, dass sich das Instrument als fester Bestandteil der deutschen Forschungsförderung etabliert hat. Für Unternehmen lohnt es sich daher, die eigenen Entwicklungsaktivitäten regelmäßig auf ihre Förderfähigkeit zu prüfen. Denn Forschung und Entwicklung findet häufig auch dort statt, wo sie im Unternehmensalltag nicht unmittelbar als solche bezeichnet wird.
Sie möchten wissen, ob auch in Ihrem Unternehmen förderfähige FuE-Vorhaben bestehen oder welches Potenzial bislang ungenutzt bleibt? Sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam prüfen wir, welche Möglichkeiten die Forschungszulage für Ihre Projekte bietet.
Forschungszulage wirkt: Was der neue Evaluierungsbericht der Bundesregierung zeigt
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